Radio-Interviews mit Sheikh Eşref Efendi
Radio 1 :: Sufis in Berlin
von Stefanie Oswalt
Abschrift der Sendung
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Abschrift der Sendung »Sufis in Berlin« von Stefanie Oswalt für Radio 1
Sufis in Berlin
Funda:
Wir haben hier unter uns auch Menschen aus Russland, aus Polen, aus Ghana, also es ist bunter als nur deutsch, türkisch, arabisch. Das ist so wie ein himmlischer Kindergarten.
Arman:
Viele Muslime, die verstehen den Sufismus nicht. Die sehen das als etwas Separates vom Islam. Aber das stimmt nicht. Weil der Sufismus ist die Seele des Islam.
Susanne:
Es ist eine himmlische Disco am Wochenende da hin zu gehen. Früher sind wir in verrauchte Discos gegangen, heute gehen wir dort hin, tanzen dort, wie Sie gesehen haben am Samstag auch, bis zum Umfallen.
Moderatorin:
Jedes Wochenende treffen sich Funda Gencaslan, Arman Kuru und Susanne Petersen in ihrer Gemeinde im Berliner Sufi-Zentrum. Ausgelassen singend und tanzend feiern sie Allah und den Propheten Mohammed. Die drei sind Muslime und zugleich Sufis und gehören damit zu einer Minderheit die in streng islamischen Ländern verfolgt wird. Dabei, erläutert Sheikh Esref Efendi, das geistliche Oberhaupt der Berliner Gemeinde, betrachten auch die Sufis den Koran und Sharia als Basis ihres Glaubens.
Sheikh Eşref Efendi:
Sharia ist ein arabisches Wort für das Gesetz, Grundgesetz. Und so ist Sharia das Gesetzbuch Allahs. Und Sufismus ist Liebe. Liebe hat aber Verständnis und Toleranz.
Die Schriftgelehrten, sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst und sehr fanatisch in ihrer Arbeit. Und so gilt es nur für sie das Gesetz und sie haben keine Ahnung von Liebe. Die Liebe ist ihnen fremd. So, alles was ihnen fremd ist, wollen sie vertreiben aus ihrer Nähe.
Moderatorin:
Die Sufis, erklärt Sheikh Efendi, interpretieren die Heiligen Schriften fundamental anders als der konservative Islam.
Sheikh Eşref Efendi:
Der Prophet sagte Jihad, Heiliger Krieg, ist mit dem eigenen Ego zu kämpfen. Der größte Jihad ist der Kampf mit dem eigenen Ego. Das ist dein größter Feind, sagte er. Nicht der Andere, der Fremde, der anders Denkende, dein Nachbar. Nachbarrechte werden hoch gehalten im Islam. So lange dein Nachbar oder der Andere, der anders Denkende dich nicht angreift ist er nicht dein Feind. Die Konservativen, also die Sharia-Leute, die gehen in die Moschee und beten normale Pflicht-Gebete, sie machen alles was Pflicht-Gebet ist. Die Sufis sagen in der Liebe und in der Religion gibt es keinen Zwang. Und alles was unterdrückt gemacht wird, es macht keinen Spaß und hat keinen Geschmack.
Moderatorin:
Sheikh Esref Efendi kam 1972 als Kind aus der Türkei nach Deutschland. In den 1990er Jahren fand er seine spirituelle Heimat in der Naqshibandi-Schule. Sie ist mit geschätzten 100 Millionen Anhängern weltweit die mit Abstand größte, der insgesamt 40 Schulen des Sufismus, die sich vor allem in ihren Meditationspraxen unterscheiden. 1995 hat er von seinem Meister, dem auf Zypern lebenden Großsheikh Mewlana Sheikh Nazim El Hakkani El Rabbani die Lehrerlaubnis erhalten.
Sheikh Eşref Efendi:
Die anderen Orden sind ernst in ihrer Arbeit, wir sind witzig ernst. Und die Europäer, und die Deutschen insbesondere, die lieben Theater. Und so, unsere Art des Ansprechens ist theatralisch.
Moderatorin:
Freitag Abend, zur Sohbet, der spirituellen Ansprache, die beim Naqshibandi-Orden eine zentrale Rolle spielt, strömen die Gläubigen ins Sufi-Zentrum, einem mit orientalischen Teppichen, gerahmten Kalligraphien und Blumen geschmückte Erdgeschoss-Wohnung in Berlin-Neukölln. Zum Schutz der Nachbarn vor Lärm, sind die Rollläden herunter gelassen.
Es duftet nach Rosenöl. Frauen mit Kopftüchern hocken im hinteren Teil des Raumes auf roten Polstern. Geschminkte türkische Mädchen in Jeans und blonde deutsche in kniefreien Röcken. Um den noch leeren weißen Polstersessel sitzen einige Männer. Hier ist jeder willkommen erklärt Funda Gencaslan.
Funda:
Komm wer immer du bist, woher du auch stammst, welche Sprache du auch sprichst. Komm, du bist willkommen. Als der Prophet zu den Gefährten gesprochen hat, und unter den ersten war ja auch seine Frau, die saßen alle beisammen.
Moderatorin:
Die im Islam verbreitete Geschlechtertrennung kennen die Neuköllner Sufis nicht. Sheikh Esref Efendi legt wert auf die Achtung der Frauen.
Deshalb servieren hier junge Männer in osmanischer Tracht, roter Fez, weißes Hemd, braune Weste, Kinn- und Oberlippenbart, den ankommenden Tee und Wasser. Eine freudige Erwartung liegt über dem Saal.
Sheikh Eşref Efendi: und Gemeinde:
Selam aleykum, aleykum selam, ya Mohammad aleykesselam...
Sheikh Eşref Efendi:
Welcome to me, happy birthday to you!
Moderatorin:
Würdevoll hat Sheikh Esref Efendi mit seinem weißen Turban die Menge durchschritten und sich auf den weißen Sessel gesetzt. Nun beginnt die spirituelle Ansprache. Türkisch mit deutscher Übersetzung. 90 Minuten redet der Sheikh teils ernst, teils amüsant, über das Verhältnis des Menschen zu seinen Mitmenschen, über den Raubbau an der Natur und die Pflicht zur Bescheidenheit. Dann gibt es für die Gemeinde ein üppiges gemeinsames Mahl, nach dem der Sheikh individuelle Glaubens- und Lebensratschläge erteilt.
Susanne:
Der Sheikh ist mehr als nur eine Person die einem etwas über Sufismus oder über Allah erzählt. Er ist so was wie ein Lehrer fürs Leben. Er zeigt einem den Anstand im Leben. Wie bewegt man sich in dieser Welt, wie verhält man sich den Menschen gegenüber, sich selber gegenüber, um was geht es eigentlich.
Moderatorin:
Die Begegnung mit den Lehren des Sufismus hat das Leben von Susanne Petersen verändert. Die ursprünglich evangelisch getaufte Endvierzigerin ist zum Islam konvertiert und Vorsitzende des Vereins „Der wahre Mensch“, der die Naqshibandi-Gemeinde in Berlin trägt. Auch der Abiturient Arman Kuru, Spross einer eher liberalen muslimischen Familie, ist bei den Sufis aktiv. Samstag Abend, beim Dhikr, der Meditation im Gedenken an Gott, tanzt er als Derwisch.
Wie viele Naqshibandis praktizieren die Berliner Sufis auch Meditationsformen anderer Orden. So beginnt der Abend mit dem Tanz des Derwischs, eine Tradition des Mewlewi-Ordens. Im weiten, weißen Gewand dreht er seine Kreise. Später kommen einige Männer hinzu und schließlich gerät der ganze Saal in Ekstase.
Es selam, es selam, es selam...
Körper an Körper bewegen sich die Männer beim Reigentanz in der Tradition der Quadiri-Schule. Außen herum bilden die Frauen einen Tanzkreis. Keine Frage, die Glaubenspraxis der Sufis vermittelt eine große Lebensfreude. Die deutschen Gemeinden wachsen, sagt Sheikh Esref Efendi. Und in der islamischen Welt erwartet er, wegen der dortigen Revolution, bald eine Renaissance des Sufismus.
Sheikh Eşref Efendi:
Der Prophet, Friede auf ihm, hat das vor 1.500 Jahren berichtet, dass nach dem Kalifat Tyrannen kommen werde und auch 100 Jahre so ihre Zeit leben werden und dann sie werden wieder gehen müssen, dann kommt das Goldene Zeitalter.
Seminarangebote
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Samstag 19.05.2012 ab 20:30 Uhr:Zikir & Sohbet mit Sheikh Eşref Efendi |
| Live aus dem Sufi-Zentrum Rabbaniyya |
Veranstaltungshinweise
| Donnerstag, 24.05.2012 ab 21.15 Uhr |
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| Freitag, 25.05.2012 19:30 Uhr |
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Wochenplan Sufi Zentrum Berlin
Seminarangebote
Hayy-Kraft-Yoga mit Rainer Becker |
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Einführung in Islam und Sufismus mit Metin Arikan |
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Prem Rawat – Worte des Friedens |
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Derwisch-Drehen | Sufi-Whirling |
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Beratungsangebote
| Beratung für Frauen und Kinderbetreuung | |
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| Sozialpädagogische Beratung | |
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| Spirituelle Hilfe und Beratung | |
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